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Die Geschichte vom Bärenhof
Der Eberhof und der Bärenhof
In den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts [gemeint ist das 19. Jh.] erwarb der Hausmakler Römling die Landstelle, der er den Namen "Eberhof" gab. Römling, der in romantischen Ideen lebte und webte, ließ auf einem Giebel der alten Kate einen spitzen Kapellenturm aufbauen mit einer Glocke darin, und die Giebelwand mit dem Bild eines Ebers verzieren. Auf dem Hof ließ er über der Pumpe ein Brunnenhäuschen errichten, an dessen Innenwand ein von ihm verfasstes Verschen stand, das begann:
Hier is dat Hus, wo jeder Mann
sick düchtig mol wat pumpen kann.
Neben der Einfahrt stand eine alte Kanone von 1800, die zu Silvester zuweilen geladen und abgefeuert wurde. Zur Sommerzeit nisteten Rotschwänzchen darin.

Emil Römling in seinem Kontor
Der Bärenhof, nahe der Landesgrenze vor dem Ochsenzoll gelegen, war ebenfalls von Römling als Landstelle angekauft und zu einem romantischen Burghof ausgebaut worden. Es gab da einen Turm mit Burgverließ und Kapelle, sogar die Burghexe fehlte nicht. Auf dem Hof war ein Bärenzwinger eingerichtet, in dem zeitweise ein gezähmter Bär gehalten wurde. Eines Tages war der Bär ausgebrochen, hatte sich auf einen Bummel in die Feldmark begeben und dort einen Bauern angefallen. Der Bauer erlitt bei dem Kampf erhebliche Biß- und Kratzwunden. Daher stammt das Relief an der Hausmauer:
Wer sich will kratzen mit dem Bär'n,
des Haut muß erst noch dicker wer'n.
Später verkaufte Römling sein Anwesen, der Bär kam zu Hagenbek. Römling selbst zog nach Süddeutschland und ist dort in Armut gestorben. Sein Burghof mit den putzigen Türmchen und Erkern steht aber immer noch am Ochsenzoll, umbaut von modernen Läden, als Andenken an einen Sonderling aus vergangener Zeit.
Entnommen der "Festschrift der Langenhorner Heimatwoche 1952", herausgegeben von der Arbeitsgemeinschaft Langenhorner Heimatwoche, S. 16f
Ein sehr begüterter Makler
Ein sehr begüterter Hamburger Makler namens Emil Römling legte den Bärenhof
um die Jahrhundertwende [also um 1900] am Ochsenzoll, Ecke Langenhorner
Chaussee/ Stockflethweg an, nachdem er zuvor den Semmelhackschen Bauernhof
erworben und das alte weichgedeckte Haus abgerissen hatte.
Römling war ein weitgereister Mann. Im fernen China hatte er durch den
Verkauf von Nähnadeln ein großes Vermögen angesammelt, hieß es. In seine
Vaterstadt Hamburg zurückgekehrt, galt er jedoch bald als Sonderling. Mehr
und mehr verzauberten ihn verwunschene Schlösser, wehrhafte Burgen,
verschnörkelte Türmchen und starkes Gemäuer. Der Volksmund dichtete, dies
sei ein Erbteil seiner Vorfahren, die im Württembergischen als kühne
Raubritter gehaust haben sollen.
Da solche Bauten und Ruinen in unseren Breiten selten waren, schuf Römling
sich am Ochsenzoll seine "eigene Burg". Zuerst ließ er Hauptgebäude und
Hexenturm errichten. In den Turm zog ein altes Fräulein ein, das Römling mit
"Turmhexe" anzusprechen pflegte und dafür, dass es dies duldete, mietfrei
wohnte. Außer der leibhaftigen belebte auch noch eine ausgestopfte Hexe die
Räume. Sie saß an seinem Tisch, wenn er aß und trank, und mit ihr musste die
Brotfrau, die alle paar Tage erschien und eine Schwäche für Kognak hatte,
auf dem Hofplatz tanzen. Ochsenzolls Jugend hatte ihr Gaudium daran. Römling
stellt eigens zu diesem Zweck in der sogenannten Kapelle ein Grammophon mit
dem damals üblichen großen Trichter auf. Manches Mal holte er auch Burschen
und Mägde heran und ließ sie für fünf Groschen mit seiner Stoffhexe tanzen.
Darüber brach er alsbald in ein höllisches Gelächter aus.
Römling erwarb ständig - zum Teil damals schon wertvolle - Antiquitäten und
Plastiken aus nah und fern und sammelte sie auf dem Bärenhof. So kaufte er
beim Abbruch des alten Zollhauses St. Annen in Hamburg Fenster, Türen und
ganze Holztäfelungen auf.
Der Maurer Korl Eenbeen - so genannt wegen seines künstlichen Beines - und
der Arbeitsmann Jochen Kobei hatten von Römling den Auftrag erhalten, alle
diese merkwürdigen Mauerbrocken, Plastiken, Wappen und Fenster mit
Jahreszahlen aus längst vergangenen Zeiten in Bauten und Ruinen einzufügen.
Als älteste Jahreszahl soll damals 1547 eingemeißelt gewesen sein. Der
Reliefschmuck einer Wappenzeichnung mit zwei Sternen über dem Tor zum
Hexenturm trägt noch heute die Zahl 1580, wäre somit ältestes Zeugnis am
Platze. Ursprünglich zierte auch ein Brunnenhäuschen das Gelände. Römling
erstand es beim Freiherrn von Pohl aus dessen Wintergarten am Klosterstern.
Die Pumpe darin lieferte später viele Jahre hindurch den Bewohnern des
Bärenhofs kostbares Wasser. Längst ist sie verschollen.
Seinen eigenartigen Namen trug der Bärenhof zu Recht. Römling nämlich hielt
dort eine Zeitlang Bären und sogar einen "Bärenjäger", Vadder Vels. Der
konnte nun zwar notfalls zahme Bären füttern, wilde bekam er jedoch niemals
zu Angesicht. Eine unheimliche Geschichte ging damals von Mund zu Mund.
Bauern aus der Nachbarschaft hatten sich nach langem Zögern zusammengetan,
um mit dem zottigen Spuk am Ochsenzoll endlich aufzuräumen. Einer der frei
umhertollenden Bären dreht jedoch den Spieß um; er biss einen der
Wagemutigen. Die anderen suchten schleunigst das Weite. Römling dagegen fand
Spaß an diesem ungleichen Bärenkampf. Vom Fenster aus hatte er alles
beobachtet, und wenige Tage später ließ er am Hause diese Inschrift
eingravieren:
Wer sich will kratzen mit dem Bär'n,
des Haut muß erst noch dicker wer'n!
Wohl war der Angriff auf seine Lieblingstiere siegreich abgeschlagen worden.
Seiner Bären durfte Römling sich dennoch nicht mehr lange erfreuen. Die
Ordnungsbehörde schritt ein, die Bären wurden zu Hagenbecks Tierpark
gebracht.
Später verkaufte Römling seine Langenhorner Anwesen, so auch seinen Burghof.
Er zog nach Süddeutschland. Die Inflation nach dem 1. Weltkrieg brachte ihn
um den Rest seines einst so beachtlichen Vermögens. Völlig verarmt wurde er
nach seinem Tode in der neuen Heimat zu Grabe getragen.
Der Bärenhof entwickelte sich nach dem Umbau zu einer gern besuchten
Gaststätte. Kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges veräußerte der Gastwirt die
Gebäude. Abermals wurde der Hof umgestaltet. Ein paar Einzelhändler ließen
sich nun darin nieder. Hinter den Regalen ihrer kleinen Läden verbergen sich
heute noch die letzten Zeugen einstiger Pracht.
"Fünf Sinne hat der Mensch, also muss auch ich fünf Türme bauen", pflegte
Römling zu sagen (die Spitzhacke verschonte zwei Türme, darunter den
Hexenturm). Bewohner der Gegend aber hegten oft genug Zweifel, ob der
Ausspruch von den fünf Sinnen auch auf ihn - diesen Sonderling - zuträfe.
Autor: Erwin Möller
(c) july 2002 by Willi-Bredel-Gesellschaft/Geschichtswerkstatt Hamburg,
designed by Petra Stoll, ViSdP. René Senenko
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